Dark Road – erzähl mir von deinem Traum

Die Serie Dark Road ist ein freies Projekt und entstand im Jahre 2015. Seit 2010 – seit meinem ersten David Lynch Film um genauer zu sagen – setzte ich mich intensiv mit dem Thema „Traum“ und „Traumdarstellung“ auseinander. Selber führte ich in der Vergangenheit für eine sehr lange Zeit ein Traumtagebuch und verarbeitete all diese Impressionen für mich in diversen Arbeiten. Die Serie Dark Road beschäftigt sich in diesem Fall mit den Traumfragmenten unterschiedlicher Personen.

Im Kunduz
— David Xanatos (Name geändert)

Der Traum, den ich am meisten Träume und der sogar sehr oft als Tagtraum erscheint, handelt von meiner Zeit in Afghanistan. Ich träume immer von der Zeit, als ich 2008 im C* District in der Provinz Kunduz war. Es ist eine Szene, die ich nicht mehr aus meinem Kopf bekomme. Wir fuhren eine Operation mit mehr als hundert Soldaten, darunter Deutsche, Belgier und Afghanen. Eigentlich schien alles ruhig. Als wir vor dem nächsten Dorf ankamen, explodierte das erste Fahrzeug. Wir waren weit hinten und trotzdem sah ich alles sehr gut. Die Insassen waren fünf afghanische Soldaten. Vier verwandelten sich einfach in Blut, so als wäre ein Ballon zerplatzt. Einer, der am Maschinengewehr stand wurde zertrennt. Sein Oberkörper flog hoch in die Luft und kam in unserer Nähe auf. Das ist ein Moment, den ich immer wieder vor Augen habe: Dieser halbe Leichnam, der für einen kurzen Moment in der Luft schwebte. Was es so furchtbar macht. war dass ich keine Angst verspürte, auch heute nicht, wenn diese Szene in meinem Traum erlebe. Mein Adrenalin stieg auf das Maximum. Ein kurzweiliges Gefühl, dass ich für immer zu spüren wünsche.

Tiefsee
— Sebastian Wilhelm

Ich war mir im Nachhinein nicht sicher, ob ich in einem Unterwasserfahrzeug oder U-Boot unterwegs war oder einfach nur schwamm oder endlos trieb. Draußen in der Dunkelheit, in mir und um mich herum. Aber die Finsternis blieb in dieser Tiefe scheinbar nicht von Dauer. Vorher zappenduster blitzte es in der Ferne auf und schon bald zogen die leuchtenden Konturen kleiner funkelnder Meerestiere an mir vorbei. Schlieren, Flutwellen, faszinierende Musterketten wurden vom Lichtspiel der Biolumineszenz gebildet. Ein Schwarm grell–grüner Korallen trieb mit Ihren Schirmern pulsierend in die Höhe und ließ sich dann majestätisch in die Tiefe treiben. Ihr grünes Licht erfüllten meine zusammengekniffene Augen mit einer gewissen Faszination. Es war so grell, dass es alles in seinem Umfeld, selbst mich, in einen grünen Glimmer tränkte. Ein Kalmar mit ungewöhnlich langen Tentakeln trieb in der Schwerelosigkeit und fing beim Vorbeiziehen leuchtende Kleintiere. Einige große Rochen und drollige Ankerfische saugten sich auf den Flossen Einiger großer Haie und Thunfische fest und ließen sich mitziehen. In der Ferne erkannte man einen blauen Fischschwarm, der bald darauf irgendwo in der Dunkelheit der Tiefsee verschwand. Ein Lichtblitz von einer großen Gestalt, eines Monsters gleich, das sich direkt über mir empor baute, erschreckte mich so sehr, dass ich aus dem tiefen Traum erwachte.

Der Wolf
— Michael J. Lux

Ich stehe allein, eingehüllt in Dunkelheit, umgeben vom Wald. Zu sehen sind nur Sträucher und einige hängende Äste. Ich kann ihn hören. Sein tiefes, hechelndes Atmen. Es mischt sich mit dem Wind, der durchs Unterholz weht. Nicht auszumachen, woher es kommt. Überall und nirgendwo kann er sein. Mal laut, mal leise, aber immer da frisst sich sein Atmen in mein Bewusstsein. Ich reiße den Kopf herum, will ihn erhaschen, meinen Peiniger. Ohne Erfolg. Mit jeder meiner Bewegungen wird sein Hecheln schneller, ist noch schwieriger auszumachen, wird zum Wind. Ein Letztes umblicken, seine leuchtenden Augen lassen mich erstarren, gebleckte Zähne sind das Letzte, was ich sehe.


Fliegen
— Miriam Haltmeier

Ich kann fliegen.
Ohne Flügel
schwebt mein Körper einen halben Meter,
horizontal über dem Boden.
So schwimme ich durch die Luft.
Nur wie ich am besten vorankomme,
weiß ich noch nicht.

Die Muskeln folgen
unbekannten Gesetzen der Schwerkraft.

Ich kann fliegen!

Aber nicht flüchten,
während ich spüre,
dass ich verfolgt werde.

Psssscht
— Maike Born

Ich Weiß nicht, ob ich es geträumt habe oder es eine tatsächliche Situation war. Ich schlief, und als ich die Augen öffnete, sah ich meinen Vater im Zimmer, der den Zeigefinger vor seinem Mund hielt:

„Pssscht!“

The Pack
— Julian Underdown

My dream begins with me walking in a bright valley, along the ridge of a hill, long brown grasses waving and pollen floating in the air, catching the sunlight. My father is there with me, and I can feel his presence before I can see him. We decent slowly into the peaceful meadow below, silently taking in the sights, enjoying the mornings warmth. It is not long after we reach the bottom that I sense danger. I peer across the field, to the opposing side to see a pack of young wolves. playing around, barking wildly. Suddenly two large beasts burst out of the woods, clearly the mother and father wolf. The entire pack started running towards us. We turned our backs to make our escape, but the barks got louder and louder and transformed into snails and growls. We made it to the bottom of the hill, and looking at my father I could see we both understood we were not fast enough to get away. Without saying a word my father ran off into the woods, drawing the wolves with him.

Albtraum
— Denise Weber

Es gibt einen Traum, den Ich immer wieder habe. Dass Ich unter Wasser bin, schwimme, fast schwerelos bin. Es fühlt sIch an wie fliegen oder gleiten. Nichts außer mir und dem Wasser. Doch irgendwann, urplötzlIch, taucht ein Hai vor mir auf. Mit seinen bedrohlIchen Zähnen, bereits viele Narben am Körper vom Kämpfen und schwimmt auf mIch zu. Ich versuche zu fliehen, schaffe es jedoch nie zu entkommen und wache auf, wenn der Hai mIch erreicht.

Ich fühle mIch dabei nIcht nur bedroht, sondern beengt. Auch das Wasser, das vorher die Freiheit zu bergen scheint, wird auf einmal beengend und bedrückend. Es ist nIchts mehr da, außer der Kälte und panischen Angst. Als auch dem Gefühl nIcht schnell genug zu sein. Und das bewahrheitet sIch zum Ende.

Blauwale
— Simona Müller

Ich muss die Fähre über den Rhein nehmen. Der Rhein ist aber ein Ozean, wild und brutal. Als wir gerade ein paar Minuten unterwegs sind, wendet sich das Boot um 180 Grad. Plötzlich war ich unter dem Schiff gefangen und der Boden drückte mich nun in Form einer Decke nach unten. Ich flüchtete! Als ich auftauchte, wurde ich von Blauwalen gerammt. Sie schubsten und jagten mich. Als ich mich auf ein Holzbrett retten konnte, bellten mich Hunde an und die Wale schubsten weiter. In der Zwischenzeit wurde das Schiff wieder umgedreht. Zurück auf dem Schiff, waren die Menschen noch panisch, wegen den Blauwale. Andererseits gab es eine Art Kirmes mit Karussellen. Ich beobachtete alles von der Rehling aus.

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